Vor allem die Automobilverkäufer in Deutschland sind sich der enorm wichtigen Stellung der Automobilindustrie als Motor für unsere Wirtschaft vollends bewusst. Zu spüren bekommt das der lästige Kunde bereits beim Betreten eines modernen Autohauses. Während der Neuwagenkunde an großzügigen Schreibtischen - teils in eigenen Büros - empfangen wird, werden die minderbemittelten Gebrauchtwagenkäufer in eine kleine Ecke des Ausstellungsraumes gedrängt. Der zwischenmenschlichen Kommunikation ist dies natürlich durchaus zuträglich, da die Schreibtische in diesem 2.Klasse-Bereich so angeordnet sind, dass man einem benachbarten Autokäufer nahezu nicht entfliehen kann.
Zum Glück juckt mich das überhaupt nicht, denn ich gehöre zu den Menschen erster Klasse, ich bin Neuwagenkäufer. Ich darf also an einem großen Tisch sitzen, mit unglaublich wichtigem Gebaren mit dem Verkäufer Cappuccino schlürfen und streifende Blicke über die Gebrauchtwagenkäufer schweifen lassen - vorausgesetzt natürlich, ich konnte es mir einrichten und mir einen Tag Urlaub nehmen, denn
"Wir alle wollen den Aufschwung! - Aber nur bis 18:00 Uhr"
Tatsächlich, Autohäuser schließen um sechs. Gut, wer tausende von Euro ausgeben möchte, der soll sich nicht so anstellen und sich den Lebensgewohnheiten des Autoverkäufers unterordnen. Das geht in Ordnung.
Außerdem, so ein Autokauf dauert doch vor Ort gar nicht so lange. Technische Details eines Fahrzeuges erkundet man am Besten im Vorfeld in Eigenregie im Internet. Die Fahrzeuge, deren technische Finessen, oder gar essentielle Informationen über Ausstattungsdetails zu kennen gehört offenbar nicht zu den Aufgaben eines Autoverkäufers.
Was will man denn dann noch beim Händler? Hmm, man könnte eine Probefahrt machen. Wohl gemerkt, man könnte. Kann man aber nicht. Warum nicht? Der Kollege ist mit dem gewünschten Fahrzeug gerade im Urlaub.
Liebe Verkäufer deutscher Fabrikate, Ihre Fahrzeuge sind für mich unverzichtbar. Schade, dass Ihnen das nur zu bewusst ist.
Aber aufgepasst: Auch für Autos gibt es mittlerweile alternative Vertriebswege. Ihr Chef verdient dann zwar immernoch mit, aber für´s Cappuccino trinken und wichtige Gesichtsausdrücke üben mag er Sie möglicherweise nicht auf Dauer bezahlen.
Vielleicht einfach Mal die eigenen Autos kennen lernen, ab und an im Internet einschlägige Foren durchstöbern und die Qualität und herausragende Stellung der durch Sie verkauften Fahrzeuge nicht unbedingt auf Sie selbst projizieren, das würde schon was helfen.
Allzu große Sorgen machen brauchen Sie sich natürlich nicht, wir kommen ja alle wieder.
Ihr
Johann
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen