Sonntag, 7. März 2010

Der Arsch einer Göttin...

Elisa Gonzalez aus Rahway im Bundesstaat New Jersey hat vielen ihrer amerikanischen Mitbürgern etwas voraus. Sie hat Kultur. Dieser Vorsprung verhalf ihr nun kurzfristig zu weltweiter Berühmtheit. Wobei nicht die Tatsache an sich Inhalt der Presseberichte ist, sondern vielmehr das Resultat ihres kulturellen Wissens - kombiniert mit ihrem Hobby: der Bildhauerei.

So erlaubte sich Frau Gonzalez doch tatsächlich die Venus von Milo aus Schnee nachzubilden. Und zwar ganz im Sinne des Erfinders: Nackt!
Im Original nur ein Tuch um die Hüften. Schamlos, ekelerregend, den Magen möchte es einem umdrehen bei dem entferntesten Gedanken daran. Dieses widerwärtige Luder!
Weiß doch jeder anständige Amerikaner, dass die Venus und ihre verhurten Schwestern verantwortlich sind für den moralischen Verfall, die brutale, blutige Realität in amerikanischen Großstädten, die Vergewaltigungen und Erniedrigungen zahlreicher Frauen in vielen Ländern dieser Erde!
Und dann kommt diese Gonzalez, tut so als wäre nichts gewesen und stellt sich diese Wurzel allen Übels in den Vorgarten. Das geht doch wirklich zu weit! Prompt geschieht das Unvermeidbare: die Anzeige eines guten amerikanischen Nachbars, der sich noch um unsere Welt sorgt – wahrscheinlich auch die Kriege befürwortet, die Amerika in unser aller Namen führt.
Frau Gonzalez muss ihre Schneeskulptur zerstören oder verhüllen. Sie verhüllt.

Und damit hat es Frau Gonzalez noch ganz gut erwischt. Der um den Weltfrieden besorgte Nachbar hätte ja auch das ein oder andere Prachtstück aus seiner legalen Waffensammlung seiner Bestimmung zuführen können, um Frau Gonzalez mit samt dem schandhaften Objekt dem Erdboden gleich zu machen. Zur Wiedererlangung der einwandfreien Moral unserer Welt und um Satisfaktion für den entstandenen Schaden an der Gesellschaft zu erlangen, wäre dies sicherlich auch ein adäquates Mittel gewesen.

Ich selbst verzichte auf die Abbildung der Venus auf dieser Seite, die Bürde der Verantwortung ist mir zu hoch.

Die sittliche Moral unserer Gesellschaft ist am Ende - Milo ist als Mitschuldiger daran eindeutig auszumachen...

Auf einmal erdreisten sich auch noch Schüler katholischer Einrichtungen, sich über sexuelle Übergriffe und Misshandlungen durch kirchliche Würdenträger zu beschweren. Was ist denn das für ein Gebaren gegenüber einer moralischen Instanz?

Und was macht Bruder Barnabas im Rahmen des traditionellen Politiker Derbleckens beim Starkbieranstich in Bayern? Er greift doch glatt zu äußerst zweifelhaften Vergleichen mit dem Dritten Reich!

Musste es denn wirklich so weit kommen? Ein schwarzer Präsident, eine Frau als Kanzlerin. Und was kommt als Nächstes? Vielleicht ein Türke als Fastenprediger? Das ginge dann aber wirklich zu weit.

Danke Milo!

In diesem Sinne, eine gute Nacht

Euer Johann

1 Kommentar:

  1. Lieber Johann,

    mit Verwunderung habe ich Deinen letzten Beitrag gelesen. Warum ich verwundert war? Hmm, vielleicht angesichts Deiner Ignoranz der amerikanischen konsequenten Lebenweise. Es ist doch so: Die Venus ist nunmehr gut 2100 Jahre alt. Da war der Amerikaner von heute noch weit davon entfernt überhaupt ein feuchter Traum im Laken eines europäischen Auswanderers zu sein. Dieser Auswanderer hätte zwar auch Kultur mit in die "Neue Welt" bringen können, aber sein Handgepäck war bereits vollgestopft mit Tötungsmaschinen aller Art. Die waren auch viel wichtiger als Kultur, galt es doch, das Land von scheinbar noch kulturloseren, heidnischen Ureinwohnern zu befreien, und zwar nachhaltig. Doch es gab zu jeder Zeit andere Völker (sittenlose nehme ich an), welche die eben erst ermetzelte Freiheit stets bedrohten. Als Konsequenz hieraus galt es auch fortan stets (auf)gerüstet zu sein, und da es einfacher ist zu mörsern als zu malen, entschloss man sich eben für Ersteres. Ein (blut)roter Faden derselben Konsequenz zieht sich also bis heute durch die amerikanische (Un)Kulturgeschichte. Dies führt auch dazu, daß Gewalt in jeglicher Form bis heute kein Problem darstellt in der Gesellschaft jenseits des Bermudadreiecks. Literweise Blut in Actionfilmen, knöchelhohe Ansammlungen von Gedärmen in Splatterfilmen, und demächst wohl ein Computerspiel mit dem Titel "Klebolds training in Littleton" sind auch für Minderjährige eher ein gern gesehenes Übungswerkzeug zur Verteidigung des Vaterlandes. Aber wehe, es taucht das (kulturlose) "F" Wort auf. Dann wird das mal eben schnell überpiepst. Ich Frage mich an dieser Stelle: Wenn dieses Wort angeblich nie benutzt wird, wieso sind amerikanische Talkshows dann mehr Pfeifkonzert als Unterhaltung? Zurück zum Thema: Noch schlimmer kann es nur kommen, wenn ein Nippel, oder gar eine vollständige weibliche Brust zu sehen ist. Solch sittenloses zur Schau stellen niedrigster Menschlicher Triebe kann unter keinen Umständen geduldet werden. Also kommt der Film in die "ab 21 Abteilung" hinter eine Tresortüre.
    Wie Du siehst, lieber Johann, der Nachbar handelte also in bester Tradition amerikanischer Werte. Was er da sah, kannte er so auch noch nicht. Denn der durchschnittliche US-Hintern ist so groß (Dank der guten Ernährungskultur), daß er von keiner Göttin verhüllt werden kann und deshalb stets als große Landmasse mit kontinentalem Charakter wahrgenommen wird. Auf Grund der Größe auch immer nur Stück für Stück. Es muß also ein Schock gewesen sein zu erkennen, daß es die Dinger auch in Größen gibt, die ohne Fish-Eye-Objektiv zu erfassen sind. Und was macht man mit Dingen, die man nicht versteht, genau: WEG

    Eines haben die Amerikaner (und übrigens auch die Österreicher) uns (Sitten- und Kulturlosen) allerdings voraus. Der Umgang mit Humor in unserer Gesellschaft. Lobendes Beispiel, und damit schließe ich für heute, sind die Comedy Stars Kathy Griffin nebst Kollegen. Da auch mein Nachbar ein traditionsbewußter Amerikaner (inkl. Schusswaffe) sein könnte, verzichte ich auf ein Zitat, verweise aber auf einen lesenswerten Artikel zu diesen erfrischend kultur- sitten- und morallosen Comedy Frauen:

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,683116,00.html

    Schöne Grüße, Mad Mike

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